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Blue Wave

Ein Brett auf vier Rollen

Ich war acht Jahre alt, als etwas umwälzend Neues in meinem Leben passierte. Meine ältere Schwester kehrte nach fünf Jahren aus Amerika zurück und überreichte mir ein Geschenk. Es war ein Brett mit zwei Achsen, an denen je zwei Rollen befestigt waren. “Skateboard” sagte man in Amerika dazu. Ich war von Anfang an fasziniert von diesem rollenden Brett. Soweit es das Wetter zuliess, war ich draussen in den Strassen Langnaus. und übte auf meinem neuen Sportgerät.
Als der erste Winter nahte übte ich auf dem Plattenboden im Flur unserer Wohnung weiter. Schliesslich kam ich auf die Idee, mein Skateboard wintertauglich zu machen. Ich nahm die Räder ab und schraubte Skier auf die Achsen. Es wäre vermessen zu behaupten, dass diese Konstruktion gut funktioniert hätte. Dennoch, dieses erste Schneebrett, welches ich als kleiner Schulbub erstmals intuitiv baute, war der Wegweiser für meine spätere berufliche Laufbahn.

Erste Snowboardabfahrt von der Hohwacht

Es war 1982. Während in Vermont (USA) die erste nationale Snowboardmeisterschaft in Vermont stattfand, bekam ich von Peter Fässler aus Konolfingen das, wovon ich noch wenige Jahre zuvor geträumt hatte – ein Brett mit dem ich einen Schneehang hinunter fahren konnte. Die ersten Snowboards, wie auch Peter Fässler sie baute, hatten Surfbretter zum Vorbild: Sie waren breit, dick und hatten Laschen, in die man mit Wanderstiefeln einstieg. Mit diesem Prototyp des Snowboards stieg ich nun bei Neuschnee die Hohwacht hoch und fuhr den Abhang runter. Ein unbeschreibliches Glücksgefühl überkam mich. Diese ersten Abfahrten waren phänomenal. Die Erfahrung Teilnehmer einer absolut neuen Entwicklung zu sein, die in der Schweiz noch kaum bekannt war, überwältigte mich.

Ich werde Weltmeister – na klar!

1987 nahm ich an meinem ersten Snowboardcamp in Österreich teil. Seit Mitte der 80er-Jahre fanden erste Weltmeisterschaften im Snowboardfahren statt, doch der Kreis der aktiven Fahrer war noch klein, fast weltumspannend familiär. Man kannte sich. Spätere Berühmtheiten aus der Szene wie José Fernandes, Craig Kelly oder Peter Bauer konnte man noch ganz privat erleben. Wer ein gutes Brett hatte und diszipliniert trainierte hatte gute Aussichten auf eine Platzierung im Wettkampf. Nach einer Woche belebender Gemeinschaft im Snowboardcamp beflügelte mich der Gedanke: “Weltmeister werden, dass kann ich doch auch”.
Erstmals brachte ich jedoch einigen Kollegen das Snowboardfahren bei. Nicht im vergleichbaren Sinne von Skikursen, das war in der Szene verpönt. Man zeigte sich ein paar Tricks und Kniffe und dann war jeder auf sich alleine gestellt, um seinen Fahrstil zu finden.

Amerika ruft

Den Winter von 1989 auf 1990 verbrachte ich selber in Amerika. Dort hatte ich die Chance die guten Boards der dort renommierten Marke “Gnu” zu testen. Zwei Monate genoss ich es in ParK City, Utha mich ganz dem Snowboardfahren widmen zu können. Wieder zurück in der Schweiz trat ich dem damaligen Berner Snowboardclub Bombardina bei. Dies war notwendig um eine Lizenz zu erhalten, die mir die Teilnahme an Wettbewerben ermöglichte. Ich nahm an einigen Wettkämpfen und auch am Eurocup teil und stellte das ganze System in Frage. Snowboardfahren sollte meiner Meinung nach Spass machen. Wettkämpfe passten nicht in das Bild von Spass. Mein Traum Weltmeister werden zu wollen verblasste langsam – doch was nun? War ein eigener Laden vielleicht eine Lösung?

Der Kellerladen

Ein Inserat führte mich in den Berner Laden Noka oi, der Surfbretter und Snowboards verkaufte. Im Winter 1992 startete ich mit 10 Boards von Noka oi ein kleines Geschäft in Langnau. Ich schrieb Snowboardkurse aus und richtete im Keller meiner Wohnung in der Bernstrasse mit der Zeit einen kleinen Laden ein, den ich “Underground Wave” nannte. Das Material bezog ich auf Kommission von Noka oi. Das Snowboard wurde populärer und zunehmend gekauft, mein Sortiment erweiterte sich mit der Zeit. Im Sommer bestand das Sortiment u.a. aus Skateboards und Kletterausrüstung. Zusätzlich baute ich in dem kleinen Laden auch noch eine Kletterwand ein. Der Langnauer Bergsteiger Ueli Steck kam zweimal täglich zum Trainieren im Underground Wave vorbei.
1993 stieg ich zusätzlich zu meinem eigenen Laden als Partner bei meinem Händler Noka oi ein. Fortan hiessen wir Sport Adventure Wave AG und eine grosse Doppelverantwortung lag auf meinen Schultern. Als Partner hatte ich in Bern viele Pflichten und der Laden in Langnau lief so gut, dass ich im Winter 1995 in der Schlossstrasse in Langnau ein grösseres Ladenlokal eröffnete. Aus Underground Wave wurde damit der Laden Blue Wave.

Glück im Unglück

Mein eigener Laden in Langnau lief gut, während die Sport Adventure Wave AG Konkurs anmelden musste. Eine harte Zeit mit grossen finanziellen Verlusten. Dankbar, dass mir der Langnauer Laden als Standbein erhalten geblieben war, stürzte ich mich in die Arbeit. Neben dem Ladengeschäft gab ich vermehrt Snowboard-, Telemark- und Kletterkurse. Die Industrie hatte die Snowboardszene entdeckt und brachte viele neue Produkte auf den Markt. Die Nachfrage nach Kleidung, Schuhen und Markenartikeln stieg, der neue grössere Laden platzt nach einigen Jahren schon wieder aus allen Nähten. Ich suchte nach einem neuen Gebäude und fand es 1999 im ehemaligen Elite-Kino-Gebäude in Langnau.

Blue Wave – ganz gross

Am 31. Oktober 2000 eröffnete ich das Blue Wave in der Dorfstrasse 29. Mein Laden war nun vom ursprünglichen Kellerraum zu einem grossen Präsentierraum von 250 Quadratmetern angewachsen. Die Ladenvergrösserung war ein wichtiger Schritt für mich. Es freut mich, dass es seither genug Platz für ein ansprechendes Sortiment hat. Der Standort des Elite-Gebäudes bot allerdings noch weitaus mehr Raum, als ich für mein Sortiment brauchte. So entstand das shop in shop Konzept. Zum neuen geräumigen Blue-Wave-Shop gesellte sich nun ein Cafe- und Barbetrieb namens il caffé dazu. Die anderen Räumlichkeiten wurden untervermietet. Das Konzept “Shop in Shop” kam und kommt bei den Bewohnern Langnaus und der Umgebung an. Viel habe ich seit der Gründung meines ersten Ladens, dem Underground Wave, erlebt. Meiner Pionierzeit der Snowboardanfänge bin ich dabei stets treu geblieben. Blue Wave geht es um den Sport an sich. Die eigene Freude an den Outdoor-Aktivitäten steht neben allen hochwertigen und modischen Produkten im Zentrum meines Interesses.